Mittwoch, 27. November 2013

Goethe und die Farbenlehre



                                            

            WIE ENTSCHIEDEN DIE FARBE SEI
Im Allgemeinen betrachtet entscheidet sie sich nach zwei Seiten. 
Sie stellt einen Gegensatz dar, den wir eine Polarität nennen und durch ein + und – recht gut bezeichnen können.

Plus                                   Minus
Gelb                                   Blau
            Wirkung                             Beraubung
            Licht                                  Schatten
            Hell                                    Dunkel
            Kraft                                   Schwäche
            Wärme                               Kälte
            Nähe                                  Ferne
            Abstoßen                           Anziehen
            Verwandtschaft                   Verwandtschaft
            Mit Säuren                         Mit Alkalien

        

Goethe und die Evolution

Hier ist nun vor allen Dingen der Hauptpunkt zu beachten: daß alles, was ist oder erscheint, dauert oder vorübergeht, nicht ganz isoliert, nicht ganz nackt gedacht werden dürfe; eines wird immer noch von einem anderen durchdrungen, begleitet, umkleidet, umhüllt; es verursacht und erleidet Einwirkungen, und wenn so viele Wesen durcheinander arbeiten, wo soll am Ende die Einsicht, die Entscheidung herkommen, was das Herrschende, was das Dienende sei, was voranzugehen bestimmt, was zu folgen genötigt werde

Goethe und das Licht

Wenn Taucher sich unter dem Meere befinden und das Sonnenlicht in ihre Glocke scheint, so ist alles Beleuchtete, was sie umgibt, purpurfarbig (wovon künftig die Ursache anzugeben ist); die Schatten dagegen sehen grün aus. Eben dasselbe Phänomen, was ich auf einem hohen Berge gewahr wurde, bemerken sie in der Tiefe des Meers, und so ist die Natur mit sich selbst durchaus übereinstimmend.

Goethe und das Urphänomen

Grundeigenschaft der lebendigen Eigenschaft: sich zu trennen, sich zu vereinen, im Besonderen verharren, sich zu verwandeln, hervorzutreten und zu verschwinden, zu solidizieren und zu schmelzen, zu erstarren und zu fließen, sich auszudehnen und sich zusammenzuziehen.

Goethe und die organischen Naturen

Alles was zum Leben hervortreten, alles was lebendig wirken soll, muß eingehüllt sein. Und so gehört auch alles, was nach außen gekehrt ist, nach und nach frühzeitig dem Tode, der Verwesung an. Die Rinden der Bäume, die Häute der Insekten, die Haare und Federn der Tiere, selbst die Oberhaut des Menschen, sind ewig sich absondernde, abgestoßene, dem Unleben hingegebene Hüllen, hinter denen immer neue Hüllen sich bilden, unter welchen sodann, oberflächlicher oder tiefer, das Leben sein schaffendes Gewebe hervorbringt.

Goethe und die Anatomie

                          Justus Loder gab:
                          fürtreffliche Krebse, von denen ich Ihnen einen Teller zugewünscht habe,
                          köstliche Weine,
                          einen zu amputirenden Fuß,
                          einen Nasenpolypen,
                          einige anatomische und chirurgische Aufsätze,
                          verschiedene Anekdoten,
                          ein Mikroskop und Zeitungen.

                          (Goethe an Schiller)

Goethe und der Granit

Diese Klippe, sage ich zu mir selber, stand schroffer, zackiger, höher in die Wolken, da dieser Gipfel noch als eine meerumfloss’ne Insel in den alten Wassern dastand; um sie sauste der Geist, der über den Wogen brütete, und in ihrem weiten Schoß die höheren Berge aus den Trümmern des Urgebirges, und aus ihren Trümmern und den Resten der eigenen Bewohner die späteren und ferneren Berge sich bildeten.